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Muttermilch to go – Über das Stillen in der Öffentlichkeit

(Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit 1000tage.de.)

Kuscheln, ausruhen, stillen – In den Tagen und Wochen nach der Ankunft meines Babys bei uns zuhause haben wir viel Zeit damit verbracht uns kennenzulernen und unsere Stillbeziehung aufzubauen. Doch es war klar, dass der Tag kommen wird an dem wir rausgehen, um die Welt zu entdecken. Eins ist klar, mein Baby hat ein essentielles Bedürfnis nach Nahrung und Nähe, egal an welchem Ort.

Ich machte mir also Gedanken über das Stillen unterwegs. Würden wir es schaffen ohne die gewohnte Umgebung, diverse Kissen, Fußbänkchen und dergleichen? – Das kriegen wir schon hin. Was, wenn wir riesige Milchflecken auf meiner Bluse hinterlassen? – Egal, entschied ich. Ich war bereit mich auch in schwierigen Situationen für das Stillen einzusetzen.

Muttermilch to go - Über das Stillen in der Öffentlichkeit

Warum überhaupt stillen?

Es ist mir sehr wichtig zu stillen und es stand außer Frage, dass ich es versuchen würde mein Baby voll zu stillen. Denn ich sehe das Stillen nicht als Vorteil, sondern jede andere Alternative als Nachteil. Stillen ist nicht das Beste für mein Kind, sondern die von der Natur vorgesehene normale Ernährung. Du kannst deinem Kind in den ersten 1000 Tagen über die Muttermilch viel mitgeben, das als Grundstein für seine spätere Gesundheit dient. Ich habe dazu einiges recherchiert und im Folgenden zusammengefasst. Mehr zum Thema Stillen und leckere Stillrezepte findest du auch auf der Seite 1000tage.de.

Muttermilch – Ein wahres Wundermittel

Muttermilch ist ein wahres Wundermittel der Natur und liefert meinem Baby nicht nur Flüssigkeit, sondern auch zahlreiche Nährstoffe. So genannte Pre- und Probiotika schützen vor Atemwegs- und Magen-Darm-Infektionen sowie Mittelohrentzündungen. Gestillte Kinder haben später zudem ein geringeres Risiko an Übergewicht zu leiden und entwickeln seltener Allergien. Muttermilch bietet nicht nur die ideale Mischung an Eiweiß, Fett und Kohlenhydraten, sie passt sich sogar den Bedürfnissen des Kindes an. So ist die Milch für Jungen um 25% kalorienreicher als die für Mädchen und sie wirkt wie ein natürliches Antibiotikum wenn das Kind krank ist und bietet immer die idealen Abwehrstoffe. Einfach genial. Und dann ist da noch ein bemerkenswerter Effekt: Muttermilch unterstützt die Gehirnentwicklung bei Säuglingen und sorgt für eine spätere positive Entwicklung der motorischen und kognitiven Funktionen.

Und nicht nur als Nahrung wirkt Muttermilch wahre Wunder, sondern auch kleine Verletzungen können mit ihr behandelt werden. Kratzer und entzündete Augen heilen schneller wenn man sie mit Muttermilch benetzt. 

Muttermilch ist also die beste Nahrung für mein Kind. Das wäre geklärt. Die Ernährung meines Babys liegt mir sehr am Herzen – da mache ich keine Kompromisse. Deswegen soll es auch unterwegs Muttermilch sein.

Stillen in der Öffentlichkeit

Die Milch kommt nun mal aus den Brüsten

Muttermilch gibt es nicht im To-Go-Becher. Die natürliche Verpackung der Muttermilch ist Mamas Brust. Und da wäre der Knackpunkt. An nackte Brüste am Strand und auf Werbeplakaten hat sich unsere Gesellschaft bereits gewöhnt, doch stillende Mütter mit ihren Kindern in der Öffentlichkeit erregen immer wieder die Gemüter. Öffentliche Stillräume sind nicht immer eine Alternative und häufig an die Toiletten angeschlossen. Stillen ist Nahrungsaufnahme und diese verdient würdige Rahmenbedingungen. Ich schließe mich und mein Baby nicht auf einer öffentlichen Toilette weg und ich will mein Kind auch nicht mit Tüchern bedecken. Ich esse meine Pommes schließlich auch nicht unter einer Decke. Das bedeutet natürlich nicht, dass ich mit zwei entblößten Brüsten im Bistro sitzen möchte. Stillen funktioniert auch diskret. 

Mama mit Säugling

Schritt für Schritt zum Stillprofi in der Öffentlichkeit

An das Stillen in der Öffentlichkeit habe ich mich langsam herangetastet, indem ich zuhause ganz nebenbei geübt habe meine Kleidung dezent und diskret hoch- und und zur Seite zu ziehen. Spezielle Stillshirts und Still BHs machen das Stillen einfach. Wenn du noch unsicher bist, kannst du auch gut vor dem Spiegel das Stillen testen oder mithilfe einer Freundin oder deines Partners. Willst oder kannst du dir keine Stillshirts leisten, schneide einfach Schlitze in ein altes T-Shirt und trage es unter einem Pullover. Ziehst Du dann den Pullover hoch, ist die Brust gut erreichbar ohne dass der Bauch nackt ist.

Wenn du nicht gleich im Restaurant stillen möchtest, kannst du dich zum Beispiel im Park herantasten. Ich wurde bei meinem ersten Ausflug mit Baby in den Park von seinem Hunger eiskalt erwischt. An einem ruhigen Fleck auf einer Steintreppe konnte ich dann zum Glück seinen Hunger stillen. - Ein Hoch auf den Frühling wo Freiluftstillen noch angenehm ist. Nachdem ich nun schon einmal auswärts gestillt hatte, war die Scheu gar nicht mehr groß. Von da an dockte ich mein Baby immer dort an wo der Hunger gerade über ihn kam.

Ich achte darauf, dass ich mein Baby bei den ersten Hungeranzeichen anlege, denn wenn er erstmal richtig losschreit und alle Blicke auf sich zieht, ist das Stillen natürlich nicht mehr so diskret.

Stillen in Öffentlichkeit, Mutter stillt im Restaurant nachdem das Essen serviert wurde

Auch für Mama gut

Stillen bietet nicht nur dem Baby, sondern auch der Mama jede Menge Vorteile: Beim Stillen wird das Kuschelhormon Oxytocin ausgeschüttet, das für eine schnelle Rückbildung der Gebärmutter sowie einen Schutz vor Infektionen und Eisenmangel sorgt. Der erhöhte Kalorienbedarf lässt auch die Schwangerschaftspfunde schnell wieder verschwinden. Doch Vorsicht! Die Stillzeit ist kein geeigneter Zeitpunkt für eine Diät. Eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung ist jetzt besonders wichtig. Leckere Rezepte für die Stillzeit findest du unter anderem auf 1000tage.de. Den Grundstein für die späteren Ernährungsgewohnheiten des Kindes, kann die Mama ihrem Baby in der Stillzeit bereits mitgeben. Man geht nämlich davon aus, dass die Ernährung der Mama die sensorische Zusammensetzung der Muttermilch bestimmt und somit einen unmittelbaren Effekt auf das Baby hat.

Mutter kuschelt mit Säugling - Stillen in der Öffentlichkeit

Traut euch und versteckt euch nicht

Ich war neulich mit einer frischgebackenen Mami unterwegs. Es war ihr erster Ausflug mit Baby und ich musste gleich nach „Guten Tag“ stillen. Ihr fiel ein Stein vom Herzen. „Gott sei Dank, sehe ich Dich hier so selbstverständlich stillen. Das war meine größte Sorge. Wenn ich Dich so sehe, traue ich mich das auch.“ Also, lasst uns gegenseitig unterstützen. Je mehr Mütter selbstverständlich in der Öffentlichkeit stillen, desto mehr gewöhnt sich unsere Gesellschaft hoffentlich daran.

 

Stillen ist so viel mehr als Ernährung: Es ist Einschlafhilfe, Trostspender, Seelenbalsam. Und es ist kostenlos.

 

Was bedeutet euch das Stillen und was sind eure Erfahrungen?

(Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit 1000tage.de.)

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